Nicht jede Meditation findet auf dem Kissen statt. In den Klöstern Asiens, besonders in der Zen- und der Waldtradition, gehört die Gehmeditation seit Jahrhunderten zur täglichen Praxis. Sie eignet sich besonders für Menschen, die beim stillen Sitzen unruhig werden oder nach langem Sitzen Bewegung brauchen.
Das Gehen selbst wird zur Übung
Beim alltäglichen Gehen sind wir gedanklich meist schon am Ziel, lange bevor unser Körper dort ankommt. Die Gehmeditation kehrt dieses Verhältnis um. Der Weg ist nicht Mittel zum Zweck, sondern das Eigentliche. Es gibt nichts zu erreichen, nur das Gehen zu erleben.
Eine einfache Anleitung
Suche dir eine Strecke von etwa zehn bis fünfzehn Schritten, drinnen oder draußen. Gehe sie langsam ab und kehre am Ende um. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Empfindungen in den Füßen.
- Das Heben der Ferse vom Boden.
- Das Vorschwingen des Beins durch die Luft.
- Das Aufsetzen und Belasten des Fußes.
Du kannst die Bewegungen innerlich benennen, etwa heben, schwingen, setzen. Das hilft dem Geist, beim Geschehen zu bleiben. Geht die Aufmerksamkeit verloren, bringst du sie freundlich zu den Füßen zurück.
Vom Kissen in den Alltag
Der besondere Wert dieser Praxis liegt in ihrer Brücke zum Leben. Wer gelernt hat, achtsam zu gehen, kann diese Wachheit leichter in den gewöhnlichen Alltag tragen, auf dem Weg zur Arbeit, im Park, auf dem Flur. Das Tempo darf dabei ganz natürlich sein.
Beginne mit zehn Minuten. Es geht nicht darum, möglichst langsam zu schreiten, sondern wach zu sein. So wird selbst der kürzeste Weg zu einem Ort der Sammlung und der Ruhe.